Schweine: philosophisch betrachtet

coverEs ist ein kleines, feines Büchlein, das der Autor und Kulturwissenschafter Thomas Macho gerade eben herausbrachte. Er zeichnet ein überzeugendes Porträt über das Borstenvieh, erzählt darin die reiche Geschichte des Schweins und erklärt, warum uns ausgerechnet dieses Tier nah und fern zugleich ist.

Thomas Macho ist ein wahrer Kenner des Schweins. Schon im Jahr 2006 erschien von ihm parallel zu einer Ausstellung im Schloss Neuhardenberg (D) das Buch „Arme Schweine. Eine Kulturgeschichte.“

In dem nun jetzt veröffentlichten Porträt geht Macho der Frage nach, warum uns kein Tier mehr anzieht oder uns mehr abstößt als das Schwein. Warum in unseren Breiten kein Tier häufiger verspeist wird als das Schwein. Und warum kein Tier, ob als Schwein, Sau oder Ferkel, öfters in den Mund genommen wird – ob als Beleidigung, als Schimpfwort oder als Ausdruck fehlender Manieren. Das Schwein ist für uns Menschen ein ständiger Begleiter. Also bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns mit einer Reihe von Vorurteilen und Tabus von unserem liebsten Nutztier abzugrenzen. Mit diesen grundsätzlichen Überlegungen porträtiert Thomas Macho das Schwein in seinen unterschiedlichen Rollen als Jagdwild, Opfertier oder Schlachtvieh, als Symbol religiöser Unreinheit und sexueller Lust. Sein Buch ist ein hervorragender Beweis dafür, dass uns das Schwein in Komplexität und Widersprüchlichkeit in nichts nachsteht. Im folgenden Interview erzählt der Autor über seine persönliche Beziehung zum Schwein.

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Thomas Macho, Autor, Kulturwissenschafter und Philosoph

Thomas Macho: Meine Zuneigung zu den Schweinen hat sich spätestens seit der Kuratierung einer Ausstellung im Sommer 2006 (auf Schloss Neuhardenberg) kontinuierlich vertieft. In direkten Kontakt mit Schweinen bin ich dennoch nicht getreten.

Gibt es da ein persönliches Erlebnis, das Sie nachhaltig geprägt hat?

Thomas Macho: In meiner Kindheit wurde ich – als Wiener Stadtkind – unverhofft Zeuge einer Schweineschlachtung am Land. Die Szene hat mich tief beeindruckt, das Geschrei des Schweins, die routinierte Brutalität der Tötung.

Könnten Sie sich vorstellen, ein Schwein als Haustier zu halten?

Thomas Macho: Ein Schwein als Haustier? Dazu müsste ich erst einen Wohnsitz mit Garten beziehen können, wovon ich allerdings schon lange träume. Dann würde ich mir die Haltung von ein, zwei Schweinen durchaus vorstellen können.

Haben Sie ein Lieblingsschwein?

Thomas Macho: Ich mag die ungarischen Wollschweine sehr gern …

Prof. Dr. Thomas Macho ist Kulturwissenschaftler und Philosoph. Er leitet den Lehrstuhl für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, kuratiert Ausstellungen und hat zahlreiche Publikationen verfasst. Der gebürtige Wiener wird ab 1. März 2016 das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften der Universität Linz leiten.

Foto: © Klaus Fritsche, Köln

Thomas Macho, Judith Schalansky (Hg.); Schweine; Ein Porträt; Matthes Seitz Berlin; ISBN: 978-3-95757-099-4

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